Was solltest du vor JavaScript lernen?
Lukas Fehrenbach 30 Januar 2026 0

Bevor du dich an JavaScript machst, solltest du dir klar machen: JavaScript ist kein Anfangspunkt. Es ist ein Werkzeug, das auf anderen Dingen aufbaut. Wenn du es ohne diese Grundlagen lernst, wirst du nicht verstehen, warum etwas funktioniert - du wirst es nur kopieren. Und das führt schnell zu Frust.

HTML ist die Struktur - ohne sie gibt es nichts zu steuern

Stell dir eine Website als Haus vor. HTML ist der Bauplan: Wände, Türen, Fenster, Treppen. JavaScript ist die Elektrik, die Lichter einschaltet, wenn du den Schalter umlegst. Aber wenn du keinen Schalter hast, wozu brauchst du Strom?

Ohne HTML hast du keine Elemente, die JavaScript ansprechen kann. Keine Buttons, keine Eingabefelder, keine Absätze. Du kannst nicht auf etwas klicken, das nicht existiert. Deshalb lernst du zuerst die grundlegenden HTML-Tags: <div>, <button>, <input>, <h1> bis <h6>, <ul> und <li>. Du musst nicht alle kennen, aber du musst wissen, wie man eine einfache Seite aufbaut - mit Überschriften, Absätzen, Bildern und einer Liste.

Probier es aus: Schreibe eine kleine Seite mit drei Abschnitten, einem Button und einem Eingabefeld. Speichere sie als index.html und öffne sie im Browser. Das ist dein erster Schritt. Keine Frameworks. Keine Tools. Nur das reine HTML.

CSS macht das Haus ansprechend - und zeigt dir, wie JavaScript mit dem Aussehen interagiert

Jetzt hast du ein Haus. Aber es ist grau, ohne Farbe, mit schiefen Wänden. CSS ist die Inneneinrichtung: Farben, Schriftarten, Abstände, Positionen. Du brauchst es, um zu verstehen, wie sich Elemente verhalten - und das ist entscheidend für JavaScript.

JavaScript verändert nicht nur Inhalte. Es verändert auch das Aussehen. Ein Button wird grün, wenn du ihn anklickst. Ein Menü faltet sich auf. Ein Bild wird größer. All das passiert durch CSS. Aber wenn du nicht weißt, wie CSS funktioniert, wirst du JavaScript-Code kopieren, ohne zu verstehen, was element.style.color = 'red' eigentlich tut.

Lerne die Grundlagen von CSS: Selektoren, Eigenschaften wie color, font-size, margin, padding, und wie display: block sich von display: inline unterscheidet. Probiere aus, wie du mit CSS einen Button vergrößerst, ihn zentrierst und eine Hintergrundfarbe gibst. Dann schreibe einen einfachen JavaScript-Befehl, der diese Farbe beim Klicken ändert. Du wirst merken: Ohne CSS ist JavaScript blind.

Grundlegende Programmierlogik - nicht nur für JavaScript, sondern für jede Sprache

JavaScript ist eine Programmiersprache. Das bedeutet: Du musst verstehen, wie Computer denken. Nicht wie Menschen. Computer folgen Befehlen - Schritt für Schritt, ohne zu raten.

Bevor du Variablen, Funktionen oder Schleifen in JavaScript lernst, solltest du wissen, was sie überhaupt sind. Was ist eine Variable? Ein Behälter, der einen Wert speichert - wie ein Briefkasten mit einer Adresse. Was ist eine Funktion? Eine Wiederholungsvorlage - wie ein Rezept, das du immer wieder benutzt. Was ist eine Schleife? Ein Prozess, der sich wiederholt, bis etwas passiert - wie ein Kaffeeautomat, der immer wieder Tassen füllt, bis du aufhört.

Du musst nicht gleich komplizierte Algorithmen können. Aber du musst in der Lage sein, diese drei Dinge zu erkennen und zu schreiben:

  • Eine Variable zu deklarieren: let name = 'Anna';
  • Eine Funktion zu definieren: function gruessen() { console.log('Hallo!'); }
  • Eine Schleife zu nutzen: for (let i = 0; i < 5; i++) { console.log(i); }

Du kannst das in jeder Sprache lernen - sogar mit Papier und Stift. Schreibe einen kleinen Zahlenrater: Der Computer denkt sich eine Zahl zwischen 1 und 10 aus. Du gibst eine Zahl ein. Der Computer sagt, ob du zu hoch, zu niedrig oder richtig geraten hast. Das braucht nur Variablen, Bedingungen (if) und Schleifen. Kein Browser nötig. Kein JavaScript. Nur Logik.

Ein Haus mit HTML-Wänden, die von CSS-Farben bemalt werden, während JavaScript-Kabel Lichter einschalten.

Wie der Browser funktioniert - und warum das wichtig ist

JavaScript läuft nicht auf deinem Computer, sondern im Browser. Das ist ein entscheidender Unterschied. Wenn du ein Python-Skript ausführst, läuft es auf deinem Rechner. JavaScript wird vom Browser interpretiert - und der Browser hat Regeln.

Der Browser lädt zuerst HTML, dann CSS, dann JavaScript. Wenn dein Skript versucht, auf ein Element zuzugreifen, das noch nicht geladen ist, funktioniert es nicht. Das ist der häufigste Fehler bei Anfängern. Du schreibst:

document.getElementById('knopf').addEventListener('click', function() { ... });

Und es funktioniert nicht - weil dein JavaScript-Code vor dem HTML-Element geladen wird. Du musst lernen, wie der Browser den Inhalt aufbaut. Du musst wissen, was der DOM ist - der Dokumentenobjektmodell. Das ist die Baumstruktur, die der Browser aus deinem HTML erstellt. Und JavaScript greift auf diesen Baum zu.

Probier es aus: Schreibe ein kleines HTML-Dokument mit einem Button. Leg das JavaScript-Tag direkt unter den Button, nicht im Kopf. Teste. Dann verschiebe es nach oben - und schau, was passiert. Das ist ein Lernschritt, den du nicht überspringen darfst.

Wie du Fehler findest - und warum das wichtiger ist als Code schreiben

Die meisten Anfänger geben auf, weil sie Fehler nicht verstehen. Sie sehen Uncaught TypeError: Cannot read property 'addEventListener' of null und denken: „Das ist zu schwer.“

Doch in Wirklichkeit ist das der beste Lehrmeister. Diese Fehlermeldung sagt dir genau: „Du versuchst, eine Methode auf etwas anzuwenden, das nicht existiert.“ Das ist kein Geheimnis. Das ist ein Hinweis. Du hast ein Element gesucht, das nicht da ist. Warum? Weil du es falsch benannt hast. Weil es noch nicht geladen ist. Weil du einen Tippfehler gemacht hast.

Lerne, die Browser-Entwicklerwerkzeuge zu nutzen. Drücke F12. Gehe zur Registerkarte „Console“. Dort siehst du alle Fehler. Klicke auf sie. Du wirst direkt zur Zeile im Code geleitet. Du wirst sehen, was schiefgelaufen ist. Das ist kein Hexenwerk. Das ist die normale Arbeitsweise von Entwicklern - auch Profis.

Wenn du diesen Schritt meisterst, wirst du nicht mehr aufhören, wenn etwas nicht funktioniert. Du wirst neugierig. Du wirst fragen: „Warum ist das null?“ Und das ist der Moment, in dem du wirklich lernst.

Entwickler sieht einen JavaScript-Fehler in den Browser-Entwicklertools, DOM-Baum ist auf dem Monitor sichtbar.

Was du nicht brauchst - und warum du dich davon fernhalten solltest

Es gibt viele Dinge, die du nicht brauchst, bevor du JavaScript lernst:

  • Node.js - Das ist für Server-Code. Du brauchst das erst, wenn du eine Webanwendung mit Backend baust. Noch nicht.
  • Webpack, Vite, Babel - Diese Tools kompilieren und optimieren Code. Sie verstecken, was passiert. Du willst nicht verstecken - du willst verstehen.
  • Frameworks wie React, Vue, Angular - Das sind Abstraktionen. Sie machen Dinge einfacher - aber nur, wenn du weißt, was sie abstrahieren. Ohne Grundlagen wirst du nur Kopien von Beispielen bauen - ohne zu wissen, warum.
  • Typing mit TypeScript - Das ist eine Erweiterung von JavaScript. Du brauchst es, wenn du große Projekte machst. Nicht, wenn du gerade anfängst.

Du brauchst drei Dinge: HTML, CSS und die Grundlagen der Programmierung. Alles andere kommt später - wenn du es brauchst.

Ein kleiner Plan für die ersten drei Wochen

Wenn du jetzt anfängst, hier ist ein einfacher Weg:

  1. Woche 1: Baue drei einfache HTML-Seiten: Eine mit einem Bild und Text, eine mit einer Liste und einem Button, eine mit einem Formular (Name, E-Mail, Absenden). Speichere sie als separate Dateien.
  2. Woche 2: Verändere die Aussehen dieser Seiten mit CSS. Gib dem Button eine Farbe, zentriere den Text, ändere die Schriftart. Lerne, wie man Elemente positioniert - mit margin, padding, flexbox.
  3. Woche 3: Füge JavaScript hinzu. Lasse den Button die Farbe ändern, wenn man draufklickt. Lasse das Formular eine Nachricht in der Konsole ausgeben, wenn es abgesendet wird. Nutze nur console.log() - keine Alerts. Keine Popups.

Nach drei Wochen hast du keine „Anwendung“ gebaut. Aber du hast verstanden, wie die Teile zusammenpassen. Und das ist mehr als 80 % der Anfänger haben.

Was kommt danach?

Wenn du diese Grundlagen beherrschst, kannst du dich an echte JavaScript-Projekte wagen:

  • Eine To-Do-Liste, die Einträge hinzufügt und löscht
  • Einen einfachen Rechner mit Buttons
  • Eine Bildergalerie, die mit Pfeiltasten durchläuft

Du wirst merken: Es wird leichter. Weil du jetzt weißt, warum etwas funktioniert. Und das ist der Unterschied zwischen jemandem, der Code kopiert - und jemandem, der Code baut.