PHP war einmal das Rückgrat des Webs. Fast jede Website in den 2000ern lief darauf - von einfachen Blogs bis hin zu großen Plattformen wie Facebook (früher). Doch heute hört man oft: PHP ist unsicher. Warum eigentlich? Es liegt nicht an einer einzigen Katastrophe, sondern an einer langen Reihe von Entscheidungen, die sich über Jahrzehnte angesammelt haben. Und ja, viele davon sind noch heute spürbar.
PHP hat keine klare Standardisierung
Im Vergleich zu Sprachen wie Python oder JavaScript hat PHP nie eine einheitliche, strenge Architektur gehabt. Es wurde nicht von einer zentralen Organisation entworfen, sondern wuchs organisch - oft als schnelle Lösung für ein einzelnes Problem. Das Ergebnis? Hunderte von Funktionen mit unklaren Namen, widersprüchlichen Parametern und unvorhersehbarem Verhalten. Ein Beispiel: strpos() gibt 0 zurück, wenn das Suchmuster am Anfang gefunden wird. Aber 0 ist auch der Wert für „nicht gefunden“, wenn du nicht exakt prüfst. Das führt zu Bugs, die schwer zu finden sind - und oft zu Sicherheitslücken.
Standardmäßig unsichere Einstellungen
Frühere PHP-Versionen aktivierten Dinge wie register_globals standardmäßig. Das bedeutete: Jeder Parameter aus der URL, wie ?user=admin, wurde automatisch als Variable $user im Code verfügbar. Ein Angreifer konnte so einfach Admin-Rechte erlangen, ohne irgendeine Authentifizierung zu umgehen. Selbst als diese Funktion 2005 als veraltet markiert wurde, liefen noch Jahre lang Server damit. Und viele alte Systeme, die heute noch online sind, nutzen immer noch veraltete Konfigurationen.
Entwickler lernen PHP falsch
Die meisten Anfänger lernen PHP, indem sie Code aus Foren wie Stack Overflow oder alten Tutorials kopieren. Oft wird gezeigt, wie man eine Datenbankabfrage mit mysql_query() schreibt - ohne jede Form von Parameterbindung. Das ist ein klassischer Weg zu SQL-Injection. Du brauchst nur eine Zeile wie SELECT * FROM users WHERE id = $_GET['id'], und schon ist deine Seite angreifbar. Die meisten Tutorials aus den Jahren 2008-2015 zeigen genau das. Und weil PHP so einfach zu lernen scheint, denken viele, sie bräuchten keine Sicherheitsgrundlagen. Das ist fatal.
Die Sprache erlaubt zu viel Freiheit
PHP ist eine dynamische Sprache - und das ist nicht per se schlecht. Aber sie erlaubt Dinge, die in anderen Sprachen gar nicht möglich sind. Du kannst Funktionen zur Laufzeit ändern, Variablen ohne Deklaration verwenden, und Objekte ohne klare Struktur erstellen. Das macht es leicht, schnell etwas zu bauen - aber schwer, sicher zu halten. Ein Angreifer, der eine Schwachstelle findet, kann oft einfach eine neue Funktion einschleusen, die den Server kompromittiert. PHP hat keine echte Typensicherheit, keine klare Trennung von Daten und Code, und keine robuste Sandbox. Das ist kein Fehler, sondern eine Design-Entscheidung - und sie hat Konsequenzen.
Alte Systeme laufen noch - und werden nicht aktualisiert
Wusstest du, dass laut Statistiken von W3Techs im Jahr 2026 noch über 75 % der Websites, die PHP nutzen, Versionen unter 8.0 verwenden? Das sind Systeme, die seit 2015 nicht mehr aktualisiert wurden. PHP 5.6 wurde 2018 eingestellt - aber viele Firmen, besonders kleine Webagenturen oder lokale Unternehmen, haben nie ihre alten Content-Management-Systeme wie WordPress, Joomla oder Drupal auf die neueste Version gebracht. Warum? Weil es „funktioniert“ - und niemand den Aufwand tragen will. Diese Systeme laufen mit veralteten Bibliotheken, die bekannte Schwachstellen enthalten. Und weil sie nicht mehr unterstützt werden, gibt es keine Sicherheitspatches mehr.
PHP selbst hat sich verbessert - aber die Wahrnehmung bleibt
Seit PHP 7 (2015) und erst recht mit PHP 8 (2020) hat sich die Sprache massiv verändert. Es gibt jetzt strikte Typisierung, Union Types, JIT-Compiler, und eine viel klarere API. Die Sicherheitslücken aus der Vergangenheit wurden größtenteils geschlossen. Aber die meisten Entwickler, die PHP als unsicher bezeichnen, denken noch an PHP 4 oder 5. Sie sehen nicht, wie modern PHP heute ist. Die Sprache ist nicht mehr das Problem - die Nutzung ist es. Wenn du heute mit PHP 8.2 und modernen Frameworks wie Laravel oder Symfony arbeitest, bist du sicherer als mit vielen alten JavaScript- oder Python-Projekten, die nicht gepflegt werden.
Was macht PHP besonders anfällig - im Vergleich zu anderen Sprachen?
Es liegt nicht nur an PHP selbst, sondern an der Kombination aus:
- Unklare Standardfunktionen - viele Funktionen haben unsichere Standardverhalten
- Keine automatische Escape-Funktion - du musst jede Ausgabe manuell escapen, sonst ist XSS möglich
- Keine eingebaute Authentifizierung - du musst alles selbst bauen, und viele tun es falsch
- Starke Abhängigkeit von Server-Konfiguration - eine falsche php.ini-Datei kann dein ganzes System gefährden
- Veraltete Tutorials und Code-Snippets - die meisten Beispiele im Netz sind 10+ Jahre alt
Im Vergleich dazu hat Python eine klare Empfehlung: „Use sqlalchemy“, „Use flask-wtf für Formulare“, „Use markupsafe für Ausgabe“. PHP hat keine solche Kultur der Empfehlung. Es gibt viele Wege - und die meisten sind gefährlich.
Wie du PHP sicher nutzt - heute
Du musst PHP nicht aufgeben. Aber du musst es richtig nutzen. Hier sind drei konkrete Schritte:
- Verwende immer PHP 8.1 oder höher - ältere Versionen haben keine Sicherheitsupdates mehr.
- Verwende ein Framework - Laravel, Symfony oder CodeIgniter haben eingebaute Schutzmechanismen für SQL-Injection, XSS und CSRF. Sie erzwingen gute Praktiken.
- Escapere immer Ausgaben - nutze
htmlspecialchars()oder ein Template-System wie Twig, das das automatisch macht.
Und vergiss nicht: Keine Sprache ist sicher, wenn du sie falsch verwendest. Aber PHP ist die einzige Sprache, bei der du fast immer extra darauf achten musst - weil die Standardfunktionen dich in die Falle locken.
PHP ist nicht unsicher - aber es ist unaufmerksam
Die Wahrheit ist: PHP ist nicht intrinsisch unsicher. Es ist ein Werkzeug - und wie jedes Werkzeug kann es gefährlich werden, wenn du es nicht kennst. Ein Hammer kann ein Nagel in die Wand treiben - oder dir den Daumen brechen. PHP ist der Hammer, der dir sagt: „Klick hier, das geht schneller.“ Und viele Leute klicken - ohne nachzudenken.
Die Sicherheitslücken kommen nicht von der Sprache. Sie kommen von der Kultur. Von Tutorials, die falsch lehren. Von Unternehmen, die nicht aktualisieren. Von Entwicklern, die glauben, „es läuft ja“ sei genug.
Wenn du heute mit PHP beginnst - lerne es richtig. Nutze moderne Versionen. Vermeide alte Code-Beispiele. Und frag dich immer: „Was passiert, wenn jemand diesen Wert manipuliert?“
Dann ist PHP nicht unsicher. Dann ist es einfach eine Sprache - wie jede andere auch.
Ist PHP immer noch die meistgenutzte Sprache für Webseiten?
Ja, laut W3Techs nutzen im Jahr 2026 noch rund 77 % aller Websites mit bekannter Server-Sprache PHP - vor allem wegen Content-Management-Systemen wie WordPress, Joomla und Drupal. Allerdings nutzen immer mehr neue Projekte Node.js, Python oder Go. PHP dominiert bei bestehenden Systemen, nicht bei Neuentwicklungen.
Warum nutzen große Unternehmen wie Facebook noch PHP?
Facebook hat PHP nicht einfach so genutzt - sie haben es komplett umgebaut. Sie entwickelten HHVM (HipHop Virtual Machine), eine eigene Laufzeitumgebung, die PHP-Code in effizienten Maschinencode übersetzt. Später haben sie Hack, eine eigene Sprache basierend auf PHP, entwickelt. Heute läuft Facebook nicht mehr auf „normalem“ PHP. Sie haben die Sprache so stark verändert, dass sie kaum noch mit dem Original zu tun hat.
Kann ich PHP sicher verwenden, wenn ich kein Framework nutze?
Ja - aber du musst alles selbst richtig machen. Du brauchst: Parameterisierte Abfragen (PDO oder MySQLi mit Prepared Statements), immer htmlspecialchars() für Ausgaben, CSRF-Tokens für Formulare, und eine strenge Validierung aller Benutzereingaben. Ohne Framework ist das aufwendig. Viele Entwickler vergessen eine dieser Schichten - und schon ist die Sicherheit kaputt.
Welche PHP-Versionen sind noch sicher?
Nur Versionen, die noch offiziell unterstützt werden. Aktuell (2026) sind das PHP 8.2 und PHP 8.3. PHP 8.1 wurde im Dezember 2024 eingestellt. Jede Version vor 8.0 hat keine Sicherheitsupdates mehr - und sollte sofort aufgerüstet werden. Selbst PHP 8.0 ist seit Dezember 2023 nicht mehr sicher.
Sind WordPress-Websites deshalb immer unsicher?
Nein - aber sie sind oft unsicher, weil sie nicht aktualisiert werden. WordPress selbst ist sicher, wenn du die neueste Version verwendest und Plugins nur von vertrauenswürdigen Entwicklern installierst. Die meisten Angriffe passieren nicht wegen WordPress, sondern wegen veralteter Themes, Plugins oder Server-Konfigurationen. Ein aktuelles WordPress mit SSL, regelmäßigen Updates und starken Passwörtern ist sicherer als viele andere CMS-Systeme.